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Quelle: Ostseezeitung, 1995-09-08
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Landesdatenautobahn

Monopolbildung

Von EVELYN KOEPKE

Einheitlich und koordiniert wünschte sich Wirtschaftsminister Harald Ringstorff (SPD) unlängst die Außenwirkung des Landes im internationalen Datennetz Internet, und ebenso einheitlich und koordiniert wird bei der Schaffung des Landesinformationssystems, mit dem sich der Nordosten - sprich Schwerin  auf der weltweiten Datenautobahn präsentieren will, vorgegangen.

Von Wettbewerb keine Spur. Vier Firmen, darunter eine hundertprozentige Landestochter, die Tochter des großen Medienkonzerns Burda und eine kleine Firma, hinter der auch ebenjener große Konzern steht, haben sich mit Billigung des Wirtschaftsministeriums den Hut aufgesetzt und alle Fäden in der Hand, Mitwettbewerber auszugrenzen. Was auch geschieht. Rostocker Firmen, die aus eigener Kraft schon jetzt die Region im Internet, natürlich in bescheidenen Anfängen, präsentieren, haben ihre inhaltlichen Vorschläge für das vom Land geförderte Info-System mit den Konkurrenten abzustimmen.
Eine Bewertung ihrer Vorschläge nehmen nicht etwa unabhängige Fachgutachter vor, von denen es an der Rostocker oder anderen Universitäten eine ganze Reihe gibt, sondern sie wird durch den Vertreter einer privaten Firma, die auch zu den Bewerbern zählt, "veranlaßt". Die Universitäten, Fachhochschulen und Institute, die das geistig-kulturelle Gewicht des Landes bestimmen, stehen hinter den vier bevorzugten Firmen in der zweiten Reihe und dürfen hoffen, bemerkt zu werden. Auch die große Industrie an der Küste mit ihrem Potential bleibt außen vor.

Ein Monopol ist im Entstehen, heiß auf den Wachstumsmarkt, den der weltweite Handel mit Informationen darstellt.

Von einem SPD-Wirtschaftsminister sollte man erwarten können, daß er den Wettbewerb fördert, statt Monopolbildungen.


Impressum, letzte Änderung: 2003-05-26
Frank Tegtmeyer <fte@fte.to>