Quelle: Ostseezeitung,
1995-06-29
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Von EVELYN KOEPKE
Rostock (OZ) An einer Datenautobahn in Mecklenburg-Vorpommern, die regionale Dienste bietet und darüber hinaus auch Teil des weltweiten Computernetzes Internet sein soll, arbeiten gegenwärtig mehrere Firmen des Landes unter der Projektleitung der Innovationsagentur Mecklenburg-Vorpommern. Im Internet sind weltweit 40000 Netze miteinander verbunden. Das Wirtschaftsministerium will nicht nur den Aufbau eines solchen regionalen Netzes fördern, sondern auch die Firmen, die es nutzen wollen. Was bringt eine solche Datenautobahn den Firmen des Landes?
Zum einen sollen Dienste angeboten werden, die für die Firmen wichtig sind," erklärt Andreas Scher von der Planet GmbH Schwerin, die als erstes Unternehmen im Land einen Internet-Zugang bereitstellte. So soll beispielsweise der Zugriff auf die Adreßdateien der Industrie- und Handelskammern möglich werden, dann Statistikdaten, die für die Erarbeitung von Marketingstrategien notwendig sind. Informationen für Landes- und Bundesförderprogramme sollen nicht nur übermittelt werden, sondern der Nutzer soll die Antragsformulare dafür auch gleich anfordern und per elektronischer Post wieder zurücksenden können.
Zum anderen, so Scher, können sich regionale Firmen über das Netz weltweit mit ihren Produkten präsentieren, auf Rückfragen und Bestellungen reagieren und auch einen Überblick darüber erhalten, wie oft und in welcher Ecke der Welt diese Präsentation angesehen wurde. Die Daten können als Text, Grafik, Foto, Sound (Sprache und Musik), Video oder in der Kombination dieser Elemente, also multimedial präsentiert werden. Das regionale Netz biete den Vorteil, daß es kostengünstig sein werde; für Firmen aus Schwerin und Rostock zum Ortstarif, da hier seit längerem Einwahlknoten existieren. Natürlich müßten auch die eingespielten Informationen bezahlt werden, aber auch das sei relativ preiswert, sagt Scher.
Um diese Dienste zu empfangen, benötige man nicht viel an Hardware, einen PC mit Modem. Will man eine Multimedia-Präsentation in die Welt senden, sei es dagegen ratsam, sich mit einer speziellen Firma in Verbindung zu setzen. Darüber hinaus mache solch ein regionales Netz natürlich auch Mecklenburg-Vorpommern in der Welt bekannt. Denn sämtliche Daten auf der Landesdatenautobahn seien international verfügbar.
Die Rostocker Seidel-Software-Impulse KG (SSI) arbeitet in diesem
Projektkreis der Innovationsagentur mit. Maike Prager von der SSI sieht bei der
angedachten regionalen Datenautobahn ein Problem: "Mecklenburg-Vorpommern ist
ein Flächenland. Natürlich können sich Nutzer in Schwerin oder
Rostock billig in das Netz einwählen, da hier Knoten existieren. Alle
anderen aber haben Pech und zahlen Ferntarife." Dazu kämen dann noch die
Gebühren für Nutzer und Anbieter von Informationen.
Die SSI will als Franchisenehmer einein Einwahlknoten für Mecklenburg-Vorpommern betreiben, der den Zugang zur deutschen Datenautobahn, dem neuen Online-Dienst Germany-Net verwirklicht. "Dieses Netz, ein logisches Verbundsystem von Informationen innerhalb des weltweiten Internet, finanziert sich aus Werbeeinnahmen. Der Zugang für private Nutzer innerhalb Deutschlands ist kostenlos, nur der internationale Datenverkehr im Internet muß bezahlt werden", berichtet Maike Prager. Daneben biete das System aber auch die technischen Möglichkeiten, gebührenpflichtige Informationen, wie etwa die elektronische Ausgabe von Zeitungen abzurechnen. Einer der ersten Kunden von Germany-net, Hauptsitz Frankfurt/Main, war der Volkswagen-Konzern.
SSI wird innerhalb dieses Netzes einen sogenannten Regional-"Container", eine durch viele Querverweise untereinander verbundene Informationspräsentation, erstellen. "Man muß das Rad nicht noch einmal erfinden, wenn es die deutsche Datenautobahn schon gibt," sagt Maike Prager. "Man kann in diesem Rahmen das Land sehr interessant präsentieren und gute Öffentlichkeitsarbeit für Firmen leisten." Bereits international bekannt sei das komplette Informations-System zur Kultur der Stadt Rostock, das der Informatik-Student Veikko Wünsche erarbeitete. Es soll über SSI im Germany-net angeboten werden.