Quelle: Ostseezeitung,
1995-07-??
Artikel als Scan
Von BRIGITTA MEUCHE
Rostock (OZ)
Eine Auktion hat ihre besondere Atmosphäre. Sie verbreitet frohe
Erwartung, Geschäftigkeit und Spannung. Auch am Mittwoch abend im
Rostocker Kloster zum Heiligen Kreuz war diese Stimmung spürbar, als
die Arbeiten der dritten Kunstbörse der OSTSEE-ZEITUNG und des
Kunstvereins zu Rostock versteigert wurden.
Der Auktionator, Kunstwissenschaftler Klaus Tiedemann, hatte seine Angebote von 30 Arbeiten, geschaffen von 13 namhaften Künstlern Mecklenburg-Vorpommerns, sachkundig und mit Humor angeboten. Das Publikum, das den Kreuzgang des Klosters in beachtlicher Zahl bevölkerte, war aufgeschlossen, interessiert und kaufbereit. Es quittierte die Bemühungen des Auktionators mit unverkennbarem Spaß am Akt des Bietens und Überbietens. So entspann sich beispielsweise bei Peter Bauers Federzeichnung "Das Fürstenhaus Mecklenburg und Vorpommern" ein wahrer Wettstreit, der erst beim 25. Gebot endete.
Insgesamt kamen 18 Werke von elf Künstlern unter den Hammer. Darunter Malerei und Plastik ebenso wie Grafik, Schmuck und Keramik.
Versteigert wurden: Peter Bauers Federzeichnung für 2240 Mark; drei Kinderbücher "Tristella" für 65 Mark; die Plakate "Füreinander dasein" für 60 Mark und "Aufeinander zugehen" für 200 Mark. Rainer Buchs Plastik "o.T." für 1630 Mark und Sigrid Buchs Wandbehang "Schmetterling" für 390 Mark. Wolfgang Eckardts Plastik "Stillende Mutter" für 2530 Mark. Anneliese Hoges Holzschnitt "Sitzender Akt" für 60 Mark. Mechthilde Hombergs Aquarell "Strohblumenstrauß" für 340 Mark, die Bleistiftzeichnung "Prora" für 280 Mark. Joachim Hukals Tuschezeichnung "Kleiner Harlekin" für 210 Mark. Christiane Lamberz' Teeservice für 260 Mark und ihre Schreibtischkeramik für 90 Mark. Zwei von drei Ohrgehängen Ugi Radeloffs zu je 100 Mark. Anneliese Schöfbecks Kaltnadelradierungen "Klippen im Oslofjord" und "Im Hallingdal" für je 170 Mark und Gerhard Webers Fotografie "Rostock von Dierkow aus gesehen" für 200 Mark. Die größte Resonanz erhielt der Rostocker Grafiker Peter Bauer. Seine angebotenen vier Arbeiten wurden alle verkauft, eine davon mit der größten Steigerungsrate des Abends. Der Erlös der Auktion betrug 9120 Mark. Ihr Reingewinn wird für den Umbau der Kinderkrebsstation an der Rostocker Universität gestiftet.
Für zusätzliche Aufmerksamkeit sorgte am Auktionsabend das Internet. Während der 13wöchigen Kunstbörse in der OSTSEE-ZEITUNG, die Künstler mit ihren Werken ausführlich vorstellte, konnten sich Kunstliebhaber aus aller Welt die Artikelserie auf den heimischen Bildschirm holen. 18000 Zugriffe aus 20 Ländern - beispielsweise aus Argentinien, Australien, Estland, Luxemburg, Kanada und Südafrika - wurden registriert. Universitäten, Firmen und Regierungsstellen bekundeten Interesse.
Die OZ-Kunstbörse gabs zum ersten Mal online. Und blieben auch die Gebote trotz Zuschaltens einiger Nutzer noch aus, war es dennoch ein Beginn, der für die vierte Börse 1996 hoffen läßt.